Das Ende der Auszeit – ein Rückblick

Nun liegt ein ganzes Semester ohne die Uni hinter mir.

Es war das aufschlussreichste Semester bisher. Gelernt habe ich viel – nicht jetzt, dass es jemals Prüfungsstoff war/ist/wird, eher ist es einzuordnen unter „Lebenserfahrung“.

Klar kann man argumentieren, dass ich in diesem Semester ja keinen Schritt weiter gekommen bin im Studium. Vielleicht nicht unbedingt im Studium selbst, in meiner Einstellung dazu aber durchaus.

Im Laufe der Zeit habe ich meinen eigentlichen Antrieb zum Studium aus den Augen verloren: den Spaß am Lernen und Verstehen. Ersetzt wurde das durch Ehrgeiz – recht motivierend, aber leider auch zehrend.

Zeit also, mich wieder mit Spaß dem Studium zu widmen und einen Gang runter zu schalten: das ist kein Karriereprojekt.

Die Unterlagen für BiWi 1A sind aus der Versenkung aufgetaucht, abgestaubt und haben mir schon ein Stündchen gestern auf dem Balkon versüßt.

Die Uni ist ein Langzeitprojekt – kein Endspurt.

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Lernsüchtig?

Nun liegt mein Entschluss, eine Studienpause zu machen, schon eine ganze Weile zurück.

Ich bin einerseits erstaunt, andererseits aber auch erschreckt, wie viel Zeit das Studium in Anspruch genommen hat und wie sehr mich alles wieder zu meinen Lernunterlagen zieht.

Vor kurzem kam das Schreiben, dass mich an die Rückmeldefrist erinnern soll – und schon hänge ich wieder mitten in den Gedankengängen, ob ich nicht vielleicht doch eine Klausur… Also nur eine, jetzt nix Großes, aber…

Irgendwie so muss sich ein Süchtiger ohne sein Suchtmittel vorkommen. Kann man tatsächlich lernsüchtig sein?

Es ist wirklich unheimlich:  das Lernen hat mich an den Rand der Belastungsgrenze getrieben, es kostet mehr als nur Geld und Zeit, nämlich auch reichlich Nerven. Der Prüfungsdruck ist extrem hoch. Und trotzdem kann ich nicht davon lassen.

Die Zeit ohne Uni habe ich damit verbracht, mich in Themen einzulesen, in denen ich mich noch nicht so gut auskannte, habe neue Fertigkeiten gelernt. Ohne Lernen scheint es für mich nicht zu gehen. Das Einzige daran, was mich anscheinend kaputt macht, sind die Prüfungen. Denn Lernen nur um mir was neues anzueignen, seien es nun Wissen oder Fähigkeiten, macht mir immer noch viel Spaß und hinterlässt ein gutes Gefühl.

Woche 7 und 8 ohne Uni

Das war eine Berg- und Talfahrt die letzten Wochen.

Jetzt, 8 Wochen nach dem Entschluss zur Unipause, pendelt es sich so langsam ein. Ich schaffe es, ohne schlechtes Gewissen (!), nichts für die Uni zu tun. Dabei verbringe ich die gewonnene Freizeit (die mir zuerst über den Kopf wuchs) nicht stumpf vor dem Fernseher, sondern mit einem „Ersatzhobby“: der Elektronik. Auf diesem Feld habe ich so gut wie keine Kenntnisse, kann also einerseits etwas lernen (Neues lernen macht Spaß!) andererseits fällt dieser immense Prüfungsdruck weg.

Der erste Schritt war, dass ich mich vor 2 Wochen bei ET-Tutorials zum Videokurs angemeldet habe. An dieser Stelle ein dickes Danke an Wolfgang Bengfort, der es geschafft hat, mir den Weg zur Elektronik zu ebnen: Endlich habe ich verstanden (auswendig wusste ich es schon vorher), warum sich der Strom in einer Reihenschaltung von Widerständen nicht ändert. Und damit platzte ein dicker Knoten in meinem Gehirn und vieles von dem, was ich unter Qualen auswendig gelernt hatte, erscheint jetzt total logisch.  Wer also auch mal in die E-Technik schnuppern möchte, aber kaum einen blassen Schimmer hat: Lasst Euch von der Werbung nicht abschrecken, die Seite ist seriös und gut!

Damit fühle ich mich jetzt auch gerüstet, es noch einmal mit  6.002x bei edX  zu versuchen,  diesmal geht es mir aber nicht nur um das wie, sondern vor allem um den Inhalt. Sobald ich merke, dass ich mir damit Druck mache, werde ich allerdings aussteigen. In meiner Auszeit geht es ja auch um Erholung 😉

Rückblick: 6 Wochen ohne Uni

Vor etwa 6 Wochen habe ich hier von meiner Auszeit berichtet.

Das war einer der Artikel, mit dem ich doch sehr gehadert hatte, umso mehr freue ich mich über den Zuspruch, den ich erhalten habe. Danke dafür!

 

Wie geht es mir seit dieser Entscheidung?

In den ersten zwei Wochen war es super: eine unheimliche Befreiung – das war schon ein ziemlicher Druck, den ich da gespürt hatte. Aufatmen, Durchatmen, Energie tanken.

Woche 3-4: Meine Güte, wo kommt die Ganze freie Zeit her? Ich glaub‘ ich brauch ein Hobby… Erst jetzt merke ich, wie viel Zeit und Energie ich tatsächlich in mein Studium gesteckt hatte: plötzlich habe ich 20 Stunden mehr Freizeit als vorher. Gefühlt ist es doppelt so viel, denn auch die Zeit, die nicht aktiv für das Studium verwendet wird (Lesen, Übungen machen, Zusammenfassungen schreiben, …), ist nicht zu verachten: Gedanken an das Studium und den Stoff und wann ich was als nächstes mache haben mehr „Rechenkapazität“ in Anspruch genommen, als ich wahrgenommen hatte.

Woche 5-6: Ob ich nicht vielleicht doch für das nächste Semester? Aber ich könnte mich ja auch endlich mal mit E-Technik-Grundlagen vertraut machen oder einen (oder mehrere) MOOCs mitmachen. Bücher über das Lernen sind auch immer total interessant. Mittelalterliche Buchkunst ist auch irgendwie ein geniales Thema, ein Sockenstrickmuster wollte ich auch mal entwickeln, ein Buch schreiben über das Leben meiner Mutter wäre toll oder ein Bretspiel erfinden, hier liegen noch Kalligraphie-Bücher und Bücher über keltische Kunst oder wie wäre es mit einer Auffrischung in Statistik (da kommt der Scanner wieder durch). Ich werde zunehmend nervöser, da ist Energie, die gebraucht werden will und die vorher gebunden war.

 

Heute: meine Beobachtungen sind für mich interessant und lehrreich, ich habe angefangen, Tagebuch zu führen. Beim Wegräumen der Uni-Unterlagen habe ich mich in einem Studienbrief festgelesen und kurzentschlossen ein paar Bücher in der Bibliothek bestellt. Prüfungen möchte ich aber erst einmal nicht ablegen.

Ich nehme mir eine Auszeit vom Studium

Eine meiner Regeln im Umgang mit der Depression lautet, keine wichtigen Entscheidungen in einer depressiven Phase zu treffen.

Letzten Monat bin ich davon abgewichen und habe sämtliche Klausuren für dieses Semester abgemeldet und für das kommende Semester keine neuen Fächer belegt.

Mittlerweile geht es mir wieder besser. Interessanterweise bereue ich die Abmeldung nicht. Ich bin zwar ein bißchen wehmütig, aber nicht niedergeschlagen.

Momentan bin ich auch noch nicht sicher, ob ich im nächsten Semester überhaupt etwas für die Uni tun werde oder ob ich mir nicht eine längere Auszeit vom Studium gönne.

In den letzten Semestern bin ich nicht nur an meine Grenzen gegangen, sondern auch darüber hinaus – mehr als einmal. Körper und Seele zeigen mir überdeutlich, dass ich mich übernommen habe. Deswegen wird mir eine Pause gut tun. Ich kann meine Kräfte wieder sammeln und werde erst einmal nur Dinge tun, die meine Akkus wieder aufladen.

Anschließend werde ich wohl weiter studieren – dafür mag ich es auch einfach zu sehr. Doch ist der Prüfungs- und Leistungsdruck, den ich mir selbst mache, momentan zu hoch. Auch wenn mir das Lernen Spaß macht (und das tut es): Prüfungen bedeuten auch Stress und Nervosität. Gepaart mit einer Depression ist das alles andere als lustig.

Wird es deswegen hier absolut still sein? Ich denke nicht. Ich habe schon seit Langem ein paar Ideen für Artikel über Mathematik, für die bisher die Zeit fehlte.

Wir lesen uns 🙂