Kernthemen: wie trenne ich Wichtiges vom Unwichtigen?

Am Anfang eines Semesters kann es einen Fernstudenten schon erschlagen: da kommen mehrere Kilo Papier ins Haus, die alle schreien „lies mich – am Besten jetzt“.

Wer nur nebenberuflich studiert, stellt mit einem Schlag fest, auf was er sich da eingelassen hat: diese Menge an Stoff, in nur einem Semester?! Und dann noch alles lesen? Das alles?

Ganz ehrlich: ich habe noch keinen Kurs komplett gelesen. Ein einziger Kurs hat es geschafft, von mir beinahe komplett gelesen zu werden: die Einführung in Mensch-Computer-Interaktion. Lediglich den Teil zu Qt und zu xml habe ich nicht gelesen. Das waren zu viele Details, die ich mir eh nicht merken konnte und wollte.

Grundsätzlich besteht die Kunst darin, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Besonders dann, wenn es „nur“ um Klausuren geht.

An einer Präsenzuniversität ist es ein wenig einfacher, da geben die Dozenten während der Vorlesung gerne mal Hinweise wie „besonders wichtig“, „gerne in Klausuren gefragt“, „mein Lieblingsthema“ und so weiter.

Das hat man an der FernUni Hagen erst einmal nicht, da ist die Stoffvermittlung textbasiert und persönliche Anmerkungen des Dozenten sind eher selten.

Trotzdem kann man sich die wichtigen Themen recht schnell erschließen:

  • In den Lernzielen stehen die Kernpunkte, die der Dozent für unbedingt lernenswert erachtet.
  • Auch im Vorwort oder in einer Zusammenfassung werden die wichtigsten Punkte genannt, evtl. sogar mit einer Begründung bzw. Herleitung oder einer Einordnung in den historischen Kontext. Zusammenfassungen verbergen sich gern im Fließtext und fangen an mit „zusammenfassend lässt sich sagen…“ Hier hilft die PDF-Version des Kusrtextes, der sich leicht nach den Stichworten durchsuchen lässt.
  • In den Selbsttestaufgaben sollen besonders wichtige Punkte vertieft oder gefestigt werden. In den Lösungen dieser Aufgaben sind die Kernthesen und wichtigen Punkte meistens besser zusammengefasst als im restlichen Studienmaterial.
  • Teilweise stehen wichtige Stichworte in den Randbemerkungen.
  • Hin und wieder sind wichtige Punkte innerhalb des Textes hervorgehoben durch Kästchen, Symbole, kursive oder fettgedruckte Schriftart.
  • Der ein oder andere Dozent verwendet auch Übersichtsgrafiken oder Tabellen zur Orientierung.
  • Weitere Einblicke geben ein evtl. vorhandes Glossar oder auch ein Index: was hier steht, war dem Dozenten wichtig genug, um es zu kennzeichnen.
  • Als Exkurs markierte Bereiche können ausgelassen werden.
  • Im Kursbegleitschreiben (dem X-Schreiben) wird auch gerne schon mal eine Stoffeinschränkung vorgenommen. Diese Schreiben unbedingt beachten!

In einem ersten Durchblättern mache ich diese Stellen ausfindig und schaffe mir so einen Überblick über das Thema und die Kernaussagen des Textes. Oft reicht das schon zusammen mit vorhandenen Vorkenntnissen aus. Wo es nicht ausreicht, lese ich die entsprechenden Passagen in einem weiteren Schritt komplett oder suche mir die Informationen in anderen Texten bzw. im Internet. Auch das Literaturverzeichnis kann einen wertvollen Beitrag zur Lektüre liefern.

Ein komplettes Lesen ist nur dort notwendig, wo es in Multiple Choice Aufgaben detailgetreu abgefragt wird und einzelne Formulierungen entscheiden.

Gefestigt und ggf. ergänzt werden diese Kernpunkte dann noch durch die Einsendeaufgaben, alte Klausuren oder Probeklausuren. Diese werden oft schon durch den Lehrstuhl angeboten oder aber auch über die jeweilige Fachschaft. Es lohnt sich, bei älteren Semestern einmal nachzufragen, wie es denn war und welche Schwerpunkte gesetzt wurden. Auch hier gilt: die Lösungen des Lehrstuhls stecken vollerr Hinweise und schöner, knapper Zusammenfassungen.

Bei einigen Kursen werden noch die Studientage angeboten. Die sind unersetzbar. Hier hat man als Student direkt die Möglichkeit, den Dozenten zu löchern. Zusätzlich gilt: was hier vorkommt, ist auch wichtig!

Eine weitere Möglichkeit bieten die angebotenen Newsgroups oder Moodleforen. Hier kann man auch direkt nachfragen, wie wichtig denn Themengebiet xy ist oder schon mal eine Zusammenfassung schreiben und fragen, ob damit alles Wichtige erfasst ist. Einige Dozenten nutzen diese Werkzeuge auch, um vor der Klausur eine Stoffeinschränkung oder Fragenkataloge zu posten. Deshalb unbedingt diese Angebote nutzen! Es lohnt sich, bereits vor der Belegung der Kurse schon einmal hier herein zu schauen und sich einen Überblick zu verschaffen (man kommt so z.B. schon an die Fragenkataloge der früheren Semester und kann sie mit dem eigenen vergleichen).

Reagiert der Lehrstuhl nicht auf Postings in der Newsgroup (soll ja schon mal vorkommen), dann direkt an die Betreuer schreiben und dort die Fragen stellen.

Bei all diesen Quellen immer darauf achten, welche Gebiete mehrfach auftauchen: Das ist in einer Selbsttestaufgabe, auf dem Studientag und in einer Probeklausur vorgekommen? Das Thema ist heiß!

Was heißt das also: wichtig sind genau die Themen, die an diesen neuralgischen Punkten stehen. Dabei gilt: je häufiger ein Thema vorkommt, desto wichtiger ist es auch.

Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Das gilt auch für das Studium und ganz besonders für das Fernstudium.

Während in der Vorlesung in der Präzenzuniversität auch andere Studenten Fragen stellen, die dann auch dem eigenen Verständnis dienen, ist das an der Fernuni nicht direkt auf den ersten Blick gegeben. Dort bin ich zunächst mit dem Studienmaterial, den so genannten Studienbriefen, alleine. Aneignen des Stoffes ist größtenteils nur durch Lesen der Texte möglich. Zumindest im ersten Schritt.

Doch meine fernstudentische Lesezeit ist begrenzt, deshalb gilt es, sie gut zu nutzen. Schneller lesen wird mir dabei nicht helfen. Denn dann darf ich noch ein zweites, drittes … Mal ran, weil ich Details nicht sehe, Zusammenhänge nicht verstehe und mich nicht mehr um Worte/Textabschnitte kümmere, die ich nicht verstehe. Genau die aber sind wichtig.

Also ist das Ziel, qualitativ gut zu lesen.

Am besten gelingt mir das dadurch, dass ich schon im Vorfeld Fragen an den Text stelle. Und das funktioniert auch bei Texten, die ich noch nicht gelesen habe und mit deren Thema ich mich nicht auskenne.

Wie komme ich an die Fragen?

  • In allen Kursen, die ich bisher belegt habe, steht zu Beginn der Kurseinheit eine Liste mit Lernzielen – prima! In Fragen umformulieren und beim Lesen immer im Blick haben. Wenn eine dieser Fragen beantwortet werden kann – sofort aufschreiben. Das hat zusätzlich einen Checklisten-Effekt, der mir den Lernfortschritt zeigt (ein richtiger Motivationsbooster).
  • Die Kapitelüberschriften lassen sich ebenfalls leicht in Fragen umwandeln. Heißt das Kapitel beispielsweise „Techniken des Lesens“ dann kann ich fragen:
    • Welche Techniken gibt es?
    • Was sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Techniken?
    • Welche Techniken sind für mich relevant in der Praxis?
    • Wird eine Technik präferiert? Warum?
  • Viele Kurse bieten zusätzlich Übungsaufgaben an. Die lese ich als Vorbereitung auf den Kurstext kurz durch und markiere mir wichtige Stichworte. Die übergeordnete Frage lautet dann: wie löse ich Aufgabe x? Untergeordnete Fragen ergeben sich dann durch die jeweiligen Aufgaben.

So vorbereitet, bleibt mehr vom Text hängen, als würde ich ihn einfach nur lesen, ohne eine konkrete Fragestellung zu haben.