Was Lernen mit Schreiben zu tun hat

So ziemlich jeder Lernender kennt das: kaum schreibt man einen Pfuschzettel, schon fängt man an, zu verstehen, was man da schreibt. Das mag nicht immer so sein, aber ich wette, jeder hatte schon mal solche Momente.

So ist das auch bei mir, teilweise so stark, dass das Schreiben für mich, neben der Verwendung von Farben und Skizzen, eines der wichtigsten Lernwerkzeuge ist:

  • Lese ich einen schwierigen Text, dann schreibe ich Textpassagen, die ich nicht verstehe ab. Dabei passiert etwas Magisches, denn wenn ich den Satz aufgeschrieben habe, merke ich, dass ich den Gedankengang meistens verstanden habe. Es ist, als würde das Abschreiben bei mir den Verstehensprozess unterstützen. Denn: das bewusste Abschreiben gibt mir den Fokus und anscheinend die Möglichkeit, mich in die Gedanken des Verfassers „einzuklinken“.
  • Habe ich Schwierigkeiten, ein Thema zu verstehen, versuche ich, so zu tun, als müsste ich das Thema nicht für mich lernen, sondern lediglich anderen nahebringen. Dazu entwerfe ich einen „besseren“ Lehrtext. Mit Skizzen, teilweise Comics, Infokästen. Mir reicht es meistens, aufzuschreiben, was ich besser machen würde. Das hilft mir, herauszufinden, wo meine Verständnisprobleme liegen. Und das wiederum hilft mir, entsprechend andere Quellen aufzutun.
  • Auch beim Verfassen von Hausarbeiten schreibe ich lange von Hand, dazu dann aber in einem anderen Blogeintrag mehr.

Lernen geht bei mir durch die Hand. So seltsam es für manche klingen mag: mit Stift und Papier gelingt mir das Lernen leichter.

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Studieren am MIT – Erfahrungsbericht (III)

Hier der dritte Teil meines Erfahrungsberichtes. Diesmal geht es um das Thema Aufgaben.

Das ist ehrlich gesagt der Teil, mit dem ich nicht so zufrieden bin, wie mit dem Rest (also Vorlesung und Materialien). Es gibt Übungsaufgaben (zwischen einzelnen Vorlesungseinheiten) und Hausaufgaben.

Die Hausaufgaben unterteilen sich wiederum in zwei Bereiche: einen Theorie– und einen Praxisteil.

  • Positiv finde ich, dass bei drücken des „Check“-Buttons sofort angezeigt wird, ob die Lösung richtig oder falsch ist.
  • Neutral finde ich, dass man auch bei den Hausaufgaben so oft neue Werte eintragen und „Check“ klicken kann, wie man möchte. Mit ein wenig Halbwissen und viel Trial and Error bekommt man so seine 100% in den Hausuafgaben zusammen.
  • Schade finde ich,
    • dass man bei falschen Antworten im Übungsteil keine kleinen Hilfen anfordern kann, die einen auf den richtigen Weg führen.
    • dass bei Lösungen, die man sich im Übungsteil einblenden lassen kann, nur das absolute Resultat steht und nicht der Weg dorthin.

Insgesamt bin ich aber sehr beeindruckt von dem Kurs – auch wenn ich mich jetzt davon verabschieden werde, es ist mir einfach auch zu viel.

Studieren am MIT – Erfahrungsbericht (II)

Ich hatte versprochen, noch auf die weiteren Materialien einzugehen, die bei 6.002x am MITx zur Verfügung gestellt werden.

  • Die Folien hatte ich auch schon kurz erwähnt: es gibt sie in zwei Varianten als Lückentext zum Selbstausfüllen während der Vorlesung, als auch bereits ausgefüllt (in der Handschrift des Professors). Also für jeden Geschmack etwas.
  • Dann kann man noch online im Buch des Professors blättern und lesen. Das ist im Ursprungsformat etwas sperrig, weil der Text nicht durchscrollbar ist, sondern aktiv weitergeklickt werden muss. Ein fleißiger Teilnehmer hat sich die Mühe gemacht und ein Skript geschrieben, mit dem es möglich ist, durch das Buch zu scrollen (aber auch das ist noch nicht das Wahre).
  • In der Themenübersicht steht, welche Themen in welcher Woche behandelt werden und welche Kapitel im Buch man lesen oder zumindest durchblättern sollte. So ist Vorbereitung möglich.
  • Es gibt ein studentisch gepflegtes Wiki, das auch von den Betreuern des Kurses überwacht wird, so dass dort möglichst nur Sinnvolles steht.
  • In diesem Wiki gibt es auch die Sandbox – eine Software, mit der man eigene Schaltungen zusammenbauen kann.
  • Es gibt ein Forum zum Austausch sowohl mit den Betreuern als auch mit den Mitstudierenden, in dem über Probleme diskutiert werden kann. Der Code of Honor allerdings untersagt es, Lösungen zu veröffentlichen. Es ist immer noch eine Einzelleistung gefragt.
  • Es gibt Aufzeichnungen von Tutorials, in denen alte Übungsaufgaben zum jeweiligen Thema vorgerechnet werden.
  • Beim Betreten der Lernumgebung landet man immer zuerst auf der Übersichtsseite, auf der alle aktuellen Meldungen zu finden sind.

Das ist neben den Aufzeichnungen schon eine ganze Menge Material, dass dort geboten wird, um die Studierenden zu unterstützen. Für jeden Lerntyp ist etwas dabei.

Für mich wird es trotzdem so langsam schwierig, denn da ist ja noch ein Studium in Hagen, auf das ich den höheren Wert lege.

Studieren am MIT – Erfahrungsbericht

Dass das MIT ebenfalls ein Online-Projekt gestartet hat, hatte ich bereits verkündet.

Noch nicht verkündet habe ich, dass ich mich tatsächlich todesmutig angemeldet habe: Zu 6.002x Circuits and Electronics, der Einführungsvorlesung für E-Techniker. Und das mir, wo ich doch keine Ahnung von E-Technik habe und auch nur auf 5 Halbjahre Pysik an der Schule zurückblicken kann…

Warum mache ich das?

Besonders interessiert mich der Aspekt, wie unterrichtet wird:

  • welche Hilfsmittel werden eingesetzt?
  • welche Unterlagen werden wie zur Verfügung gestellt?
  • wie wird untereinander kommuniziert?
  • welche Lerntypen werden unterstützt?
  • gibt es mehrere Wege zum Stoff? Welche?
  • gibt es interessante Aspekte, die mir in meinem Fernstudium fehlen?

Und hier habe ich ganz schön was mitnehmen können:

Im Kernbereich handelt es sich um Ton- und Folienaufzeichnungen einer Vorlesung. Es gibt noch weiteres Material, das ich aber in anderen Beiträgen erläutern möchte.

Mein (vorläufiges) Fazit:

Die Veranstaltung fasziniert mich. Auch, wenn mir die Thematik nicht vetraut ist, schafft es der Dozent, mich zumindest interessiert zu halten.

Es ist unter anderem die Wortwahl: es werden einfache Worte verwendet. Auch das Wort „einfach“ wird häufig verwendet, aber nicht in der Form, die einen fertig macht („Wie? Das verstehst Du nicht? Das ist doch total einfach…“). Sondern in einer motivierenden Art: „Gleich zeige ich Ihnen noch einen Weg, mit dem Sie das einfacher machen können“. Er betont, dass es auch um Spaß geht. Und man merkt ihm an, dass er selbst viel Spaß hat.

Dann sind es Wiederholungen. Er wiederholt oft auch Kleinigkeiten (wer die Kirchhoffschen Gesetze nicht ab Woche 2 mitsingen kann, hat nicht zugehört). Das bedeutet einerseits, dass er mich nicht im Regen stehen lässt und ewig nach der Formel suchen lässt (dann verbringe ich nämlich mehr Zeit damit, darüber nachzudenken, wie das denn nochmal war), andererseits gibt er mir damit eine Wiederholung. Spätestens dann, wenn ich schon im Kopf mitdenke „jaja, ich weiß, die Kirchhoffschen Gesetze“ – dann habe ich es verstanden.

Die Folien enthalten erfreulich wenig Text. Das hat zur Folge, dass ich nicht meine Zeit mit Folienlesen sondern mit Zuhören verbringe. Beispiele zeichnet er während der Vorlesung ein, was wiederum zur Folge hat, dass etwas passiert und nicht einfach nur stumpf der Folientext vorgetragen wird. Ein kleines Schmankerl: die Folien kann man sich runterladen und zwar in beiden Varianten: mit Lücken zum Schreiben oder die bereits vom Dozenten beschrifteten. (Ich bevorzuge die Folien mit den Lücken,  das Ausfüllen hält mich aktiver).

Schön ist ebenfalls, dass es nach einem Vorlesungshäppchen oft eine kurze Übung gibt, mit der man das eben gehörte noch mal überprüfen kann.

Insgesamt habe ich Spaß, allerdings möchte ich auch eines nicht verheimlichen: das ist eine Vorlesung am MIT, die hat auch ihren Anspruch. Was dort geboten wird, ist alles andere als trivial oder einfach nur Spielerei.

Class Time is Priceless – Studientage

so lautet der Titel eines kurzen Artikels von TrustyGuides.

Auch wenn es in dem Artikel darum geht, wie man sich am besten auf eine Unterrichtsstunde vorbereitet und das beste aus ihr herausholt, enthält alleine schon die Überschrift sehr viel Wahrheit.

Alleine schon nur im Unterricht zu sitzen, bringt mich dem Stoff schon näher – selbst ohne Vorbereitung.

Der Unterricht – also mit anderen Menschen zusammen in einem Raum zu sitzen und einem Lehrer zu folgen – ist das, was mir am Meisten fehlt an der Fernuni…

Nicht nur, dass mir der Stoff „vorgekaut“ wird (das wird er auch in den Studientexten), sondern vor allem die Interaktion ist es, die mir fehlt: das Fragen, das Erklären, das Lachen…

Das kann auch die beste Newsgroup oder moodle nicht ersetzen. Das alles ist schriftliche Kommunikation und wirkt so furchtbar weit weg.

Deshalb sind die Studientage so unheimlich wichtig. Hier geht es nämlich genau darum: zusammen mit mehreren anderen den Stoff verstehen und sich auf die Klausur vorbereiten. Email-Adressen werden ausgetauscht und man kommt an neue Kontakte. Hürden werden abgebaut, sowohl zum Stoff als auch zu den Lehrenden.

Dass auch mal der ein oder andere Hinweis fällt, was klausurrelevant ist und was weniger, ist ein zusätzlicher Bonus.

Also: wann immer möglich und wann immer angeboten: besucht die Studientage!