Was Lernen mit Schreiben zu tun hat

So ziemlich jeder Lernender kennt das: kaum schreibt man einen Pfuschzettel, schon fängt man an, zu verstehen, was man da schreibt. Das mag nicht immer so sein, aber ich wette, jeder hatte schon mal solche Momente.

So ist das auch bei mir, teilweise so stark, dass das Schreiben für mich, neben der Verwendung von Farben und Skizzen, eines der wichtigsten Lernwerkzeuge ist:

  • Lese ich einen schwierigen Text, dann schreibe ich Textpassagen, die ich nicht verstehe ab. Dabei passiert etwas Magisches, denn wenn ich den Satz aufgeschrieben habe, merke ich, dass ich den Gedankengang meistens verstanden habe. Es ist, als würde das Abschreiben bei mir den Verstehensprozess unterstützen. Denn: das bewusste Abschreiben gibt mir den Fokus und anscheinend die Möglichkeit, mich in die Gedanken des Verfassers „einzuklinken“.
  • Habe ich Schwierigkeiten, ein Thema zu verstehen, versuche ich, so zu tun, als müsste ich das Thema nicht für mich lernen, sondern lediglich anderen nahebringen. Dazu entwerfe ich einen „besseren“ Lehrtext. Mit Skizzen, teilweise Comics, Infokästen. Mir reicht es meistens, aufzuschreiben, was ich besser machen würde. Das hilft mir, herauszufinden, wo meine Verständnisprobleme liegen. Und das wiederum hilft mir, entsprechend andere Quellen aufzutun.
  • Auch beim Verfassen von Hausarbeiten schreibe ich lange von Hand, dazu dann aber in einem anderen Blogeintrag mehr.

Lernen geht bei mir durch die Hand. So seltsam es für manche klingen mag: mit Stift und Papier gelingt mir das Lernen leichter.

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Class Time is Priceless – Studientage

so lautet der Titel eines kurzen Artikels von TrustyGuides.

Auch wenn es in dem Artikel darum geht, wie man sich am besten auf eine Unterrichtsstunde vorbereitet und das beste aus ihr herausholt, enthält alleine schon die Überschrift sehr viel Wahrheit.

Alleine schon nur im Unterricht zu sitzen, bringt mich dem Stoff schon näher – selbst ohne Vorbereitung.

Der Unterricht – also mit anderen Menschen zusammen in einem Raum zu sitzen und einem Lehrer zu folgen – ist das, was mir am Meisten fehlt an der Fernuni…

Nicht nur, dass mir der Stoff „vorgekaut“ wird (das wird er auch in den Studientexten), sondern vor allem die Interaktion ist es, die mir fehlt: das Fragen, das Erklären, das Lachen…

Das kann auch die beste Newsgroup oder moodle nicht ersetzen. Das alles ist schriftliche Kommunikation und wirkt so furchtbar weit weg.

Deshalb sind die Studientage so unheimlich wichtig. Hier geht es nämlich genau darum: zusammen mit mehreren anderen den Stoff verstehen und sich auf die Klausur vorbereiten. Email-Adressen werden ausgetauscht und man kommt an neue Kontakte. Hürden werden abgebaut, sowohl zum Stoff als auch zu den Lehrenden.

Dass auch mal der ein oder andere Hinweis fällt, was klausurrelevant ist und was weniger, ist ein zusätzlicher Bonus.

Also: wann immer möglich und wann immer angeboten: besucht die Studientage!

Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum?

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Das gilt auch für das Studium und ganz besonders für das Fernstudium.

Während in der Vorlesung in der Präzenzuniversität auch andere Studenten Fragen stellen, die dann auch dem eigenen Verständnis dienen, ist das an der Fernuni nicht direkt auf den ersten Blick gegeben. Dort bin ich zunächst mit dem Studienmaterial, den so genannten Studienbriefen, alleine. Aneignen des Stoffes ist größtenteils nur durch Lesen der Texte möglich. Zumindest im ersten Schritt.

Doch meine fernstudentische Lesezeit ist begrenzt, deshalb gilt es, sie gut zu nutzen. Schneller lesen wird mir dabei nicht helfen. Denn dann darf ich noch ein zweites, drittes … Mal ran, weil ich Details nicht sehe, Zusammenhänge nicht verstehe und mich nicht mehr um Worte/Textabschnitte kümmere, die ich nicht verstehe. Genau die aber sind wichtig.

Also ist das Ziel, qualitativ gut zu lesen.

Am besten gelingt mir das dadurch, dass ich schon im Vorfeld Fragen an den Text stelle. Und das funktioniert auch bei Texten, die ich noch nicht gelesen habe und mit deren Thema ich mich nicht auskenne.

Wie komme ich an die Fragen?

  • In allen Kursen, die ich bisher belegt habe, steht zu Beginn der Kurseinheit eine Liste mit Lernzielen – prima! In Fragen umformulieren und beim Lesen immer im Blick haben. Wenn eine dieser Fragen beantwortet werden kann – sofort aufschreiben. Das hat zusätzlich einen Checklisten-Effekt, der mir den Lernfortschritt zeigt (ein richtiger Motivationsbooster).
  • Die Kapitelüberschriften lassen sich ebenfalls leicht in Fragen umwandeln. Heißt das Kapitel beispielsweise „Techniken des Lesens“ dann kann ich fragen:
    • Welche Techniken gibt es?
    • Was sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Techniken?
    • Welche Techniken sind für mich relevant in der Praxis?
    • Wird eine Technik präferiert? Warum?
  • Viele Kurse bieten zusätzlich Übungsaufgaben an. Die lese ich als Vorbereitung auf den Kurstext kurz durch und markiere mir wichtige Stichworte. Die übergeordnete Frage lautet dann: wie löse ich Aufgabe x? Untergeordnete Fragen ergeben sich dann durch die jeweiligen Aufgaben.

So vorbereitet, bleibt mehr vom Text hängen, als würde ich ihn einfach nur lesen, ohne eine konkrete Fragestellung zu haben.